St. Michaelis Kirche


Kirche Ob 1

Der Wehrturm mit seinen 1,50 m dicken Bruchsteinmauern wurde zwischen 1450 und 1500 erbaut. Er war ehemals ein Chorturm ohne Schiff. Der sakrale Raum war der ebenerdige Teil, wo sich an der Ostwand noch die Piscina und die gotische Sakramentsnische befinden, sowie auf beiden Seiten Sitzbänke für die Ministranten. Die gemalte innere Fensterumrahmung stammt aus dem Jahre 1768.

Kirche Ob 2
Neu gemalter Segensspruch (li.) über der Ausgangstür.
Der alte Spruch (re.) ist inzwischen enträtselt.
pdficon_small Des Rätsels Lösung

Die beiden Obergeschosse des Turmes waren Fluchträume mit Schießscharten nach drei Seiten und spitzbogigen Pforten für Einstiege mit Leitern bei Gefahr. Das Turmdach besteht aus einem spätgotischen Spitzhelm mit vier Wichhäuschen. An der Nordseite des Turmes sind eine kreuzgratgewölbte Sakristei und ein rundes Treppentürmchen für den Zugang zum ersten Obergeschoß angebaut. Der Turm selbst ist 30 m hoch. Aufgesetzt ist ein rechteckiges Gestänge mit kreuzförmigen diagonalen Streben und einem 80 cm hohen Fuß, auf dem ein 60 cm hoher Hahn steht. Gesamthöhe des Turms einschließlich Hahn: 34,20 m.

Im Dachteil des Turms befindet sich das Turmgeläut, das aus vier Glocken besteht. Die älteste stammt aus dem Jahre 1600. Schon im 17. Jahrhundert bestand das Geläute aus drei Glocken. Nachdem in den beiden Weltkriegen jeweils zwei abgegeben werden mussten, wurden 1954 durch die Zivilgemeinde drei neue angeschafft und der evangelischen Kirchengemeinde übergeben.

Kirche Ob Glocke 1

Die älteste und zugleich größte Glocke stammt aus dem Jahr 1600. Sie trägt keine Inschrift. Die drei weiteren wurden im Jahr 1954 gegossen.

Kirche Ob Glocke 2

Die zweitgrößte, die sogenannte „Gemeindeglocke“, trägt die Inschrift: „Land, Land, höre des Herren Wort! Jeremia 22,29“.

Kirche Ob Glocke 3

Die dritte Glocke, die „Gebetsglocke“ trägt die Inschft: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Römer 12,12“.

Kirche Ob Glocke 4

Die kleinste Glocke ist dem Gedächtnis der Gefallenen aus den beiden Weltkriegen gewidmet und trägt die Inschrift des Lutherliedes: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine“.

pdficon_small Über Die Botschaft der Glocken predigte Pfarrer Michael Ruf anlässlich des Glockentags am 09.09.2012.

pdficon_small Die aktuelle Läuteordnung Oberkleen kann heruntergeladen und so zur Kenntnis genommen werden.

Geschichtlich ist zu erwähnen, dass Cleeberg eine Filialgemeinde von Oberkleen war. Die Ganerben von Cleeberg versuchten durch Erbauung einer eigenen Kirche sich von der Muttergemeinde loszureißen. Der Versuch gelang nicht. 1600 wurde die letzte Verstorbene aus der Burg Cleeberg, Philippa Riedeselin, geborene Hilken von Lorch, in der Oberkleener Kirche beerdigt. Als im 18. Jahrhundert das alte Kirchenschiff durch einen Neubau ersetzt werden sollte, weigerten sich die Cleeberger, sich an den Kosten zu beteiligen. Der Streit endete 1765 mit der endgültigen Lostrennung Cleebergs von Oberkleen.

Kirche Ob 3

Das Kirchenschiff war ursprünglich nach Westen an den Turm angebaut. Bauzeit und Bauweise sind nicht bekannt. Dieses alte Schiff wurde 1767 wegen baulichen Mängeln abgerissen und das jetzige in den Jahren 1767 – 1769 nach Osten an den Turm angebaut. Die Einweihung erfolgte am 7. Oktober 1770, dem 17. Sonntag nach Trinitatis. Das Baumaterial der Außenmauern besteht ebenfalls aus Bruchsteinen. Am 18. Februar 1791 wurde in der Kirche der spätere Pfarrer und Freiheitskämpfer Dr. Friedrich Ludwig Weidig getauft. Er war am 15. Februar 1791 in Oberkleen geboren und starb am 23. Februar 1837 in Darmstadt in Kerkerhaft.

Die rundbogigen Fenster hatten ursprünglich sechseckige bleiverglaste Scheiben. Sie wurden bei der Innenrestaurierung 1956 durch rechteckige in bräunlich gedämpftem Farbton ersetzt. Das bunte Fenster an der Südseite rechts vor der Kanzel mit dem Christusbild wurde nach dem 1. Weltkrieg von den Angehörigen der Gefallenen gestiftet. Der Innenraum mit den Emporen fasst etwa 300 Personen.

Kirche Ob 4

Die drei geräumigen Emporen an der West-, Nord- und Ostseite des Schiffes sind mit Brüstungsmalereien versehen, insgesamt 25 biblische Motive von der Schöpfung bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes. Sie stammen von dem oberhessischen Kirchenmaler Daniel Hisgen und wurden 1979 von Heide Giel in Wiesbaden restauriert.

Kirche Ob 5

Ein ovales Deckengemälde stellt die Himmelfahrt Christi dar.

Kirche Ob 6

Kunstvolle Malereien, sogenannte Rokaillen, zieren die vier Ecken der Kirchendecke.

Das Kanzelgestühl hat formenreiche Holzschnitzmotive, die aus der Bauzeit stammen. An der mit zum Teil vergoldeten Ornamenten versehenen Kanzel sind die vier Evangelisten in farbigen Bildern dargestellt.

Kirche Ob 7

Das Kanzeldach wird bekrönt von einem Pelikan, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut füttert, eine Versinnbildlichung des Opfers Christi. Die Raumseite zeigt zwei Löwen, die das Wappen von Kleen, das Kleeblatt, halten.

Kirche Ob 8

Die Orgel stammt aus den Jahren 1790 – 1800 und wurde von dem Orgelbauer Bürgy aus Bad Homburg gebaut. Sie wurde 1976/77 restauriert durch die Orgelbaufirma Hardt in Möttau.

Der Altar besteht aus einer schwarzen 15 cm dicken Marmorplatte, die aus der Bauzeit stammt und auf zwei Sandsteinsockeln ruht.

Kirche Ob 9

Das Altarkruzifix ist nach Aussagen von Fachleuten eine sehr alte Holzschnitzerei und vermutlich älter als der Wehrturm.

Eine Außenrenovierung der Kirche wurde 1983 durch die Gemeinde Langgöns durchgeführt. Eine Innenrenovierung erfolgte 1984 durch die Kirchengemeinde. Dabei wurde der Raum in den ursprünglichen Farben aus der Bauzeit, nämlich verschiedenen Grüntönen, gestrichen. Eine Kirchturmsanierung wurde im Jahr 2005 abgeschlossen.

Kirche Ob 10 Kirche Ob 11

Seit Anfang 2006 ist im Kirchturm auch wieder das alte Vortragekreuz der Gemeinde ausgestellt. Bis 1966 war es im Einsatz gewesen. Konfirmanden trugen es vom Trauerhaus zum Friedhof vorneweg vor dem Sarg und der Trauergemeinde. Das Vortragekreuz in der jetzigen Gestalt stammt vermutlich aus der Barockzeit, der Körper Christi möglicherweise aus romanischer Zeit.

Kirche Ob 12Älteste bekannte Erwähnung des Namens St. Michaelis für die evangelische Kirche in Oberkleen in einem Rechnungsbuch der Kirchengemeinde aus dem Jahr 1734. Das Original des Dokuments befindet sich in der Evangelischen Archivstelle Boppard.


Heimatheft Kirche Oberkleen

Der Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen e.V. hat das dritte der Oberkleener Heimathefte der Evangelischen St. Michaelis Kirche gewidmet.

Interessierte können das Heft (3. Auflage Oktober 2015) über die Vorstandsmitglieder Dr. Kurt Hanika (Tel.: 06447 6813) und Hans-Gerhard Stahl (Tel.: 06447 88051) erwerben.

 

 


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